Das World Economic Forum hat in der aktuellen Ausgabe des „Future of Jobs Report“ die Fähigkeiten vorgestellt, die Arbeitnehmer benötigen, um mit dem technischen Wandel Schritt zu halten und erfolgreich zu sein. Im Jahr 2025 werden die gefragtesten Eigenschaften sein:

  1. Analytisches Denken und Innovation
  2. Aktives Lernen und Lernstrategien
  3. Komplexe Problemlösung

Das klingt zunächst nach Einzelanforderungen. So, als würde es genügen, wenn jeder Einzelne darüber verfügt. Weit gefehlt! Wir leben in einer globalen, sich immer noch stärker vernetzenden Welt. Und in dieser Welt sind wir nur dann erfolgreich, wenn diese Skills sich im kreativen, flexiblen und selbstorganisierten Zusammenspiel mit anderen entfalten. Drei Gründe, die das belegen:

1. Komplexe Probleme können wir nur interdisziplinär lösen

Der rasante wissenschaftliche Fortschritt hat nur noch Probleme offengelassen, die unglaublich schwer zu lösen sind. Weil der Verstand eines einzelnen nur eine begrenzte Menge an Informationen verarbeiten kann, sind Forscher gezwungen, sich immer mehr zu spezialisieren. Die Lösung komplexer Probleme liegt aber nicht in der isolierten Expertenbetrachtung, sondern am Schnittpunkt der Disziplinen.

Das gilt nicht nur für die Zusammenarbeit der sogenannten exakten wissenschaftlichen Disziplinen untereinander. Auch Kunst und Naturwissenschaft nähern sich an. Wieder, denn zu Zeiten Leonardo da Vincis war es nicht außergewöhnlich, künstlerisches und naturwissenschaftliches Schaffen zu vereinen.

Statt einsam im Elfenbeinturm zu forschen, ist der umfassende und immerwährende Austausch mit anderen Experten der Schlüssel zum Erfolg. Und das gilt nicht nur für die Wissenschaft, sondern für praktisch jeden Wirtschaftszweig. Vor hundert Jahren konnten die Gebrüder Wright ganz allein ein Flugzeug bauen. Heute braucht Boeing Hunderte von Fachleuten verschiedener Disziplinen, nur um die Triebwerke zu entwerfen und zu produzieren.

Die zunehmende Komplexität des menschlichen Wissens, gepaart mit der steigenden Schwierigkeit der zu lösenden Probleme, bewirkt, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter zunehmen muss. Und im Wissenszeitalter auch erfolgreicher ist.

2. Flexible, selbstorganisierte Zusammenarbeit sichert den unternehmerischen Erfolg

Die Zusammenarbeit zur Lösung komplexer Probleme ist auf Zeit angelegt. Teams werden nach Bedarf zusammengestellt. Ist die Aufgabe gelöst, dann ist die Arbeit für das Team getan und jeder geht wieder seiner Wege, um seine Expertise in das nächste Team einzubringen. An die Stelle stabiler, abgegrenzter und klar definierter Teamstrukturen treten flexible Einheiten. Diese Teams arbeiten selbstorganisiert und haben Zugriff auf alle relevanten Daten und Informationen. Das heißt, ohne dass eine Führungskraft steuert, entscheidet und vermittelt.

Dadurch wächst das Verständnis für Gesamtzusammenhänge im Unternehmen, das unternehmerische Denken wird angeregt, die Expertise und der Horizont des Einzelnen erweitern sich

Statt Hierarchie führt Könnerschaft. Statt sich durch langsame, hierarchische Prozesse zu mühen, können selbstorganisierte Teams spontan auf Herausforderungen reagieren.

Unternehmen können in der VUKA-Welt nur überleben, wenn selbstorganisierte Teams von Könnern schnell auf aktuelle Herausforderungen reagieren.

3. Ko-Kreativität für eine nachhaltig lebenswerte Welt

In Zeiten der Digitalisierung rückt die Mensch-Maschine-Zusammenarbeit immer mehr in den Fokus und wird zur Normalität. Die Maschine entwickelt sich vom Tool zum Partner. Zeitaufwändige Routinearbeiten – häufig einsame Aufgaben – werden uns von diesen neuen Kollegen abgenommen und oft sogar in besserer Qualität erledigt. Künstliche Intelligenz KI ist hier ein entscheidender Faktor der technischen Weiterentwicklung. Das spart uns Zeit und macht gleichzeitig die Mensch-Mensch-Zusammenarbeit wertvoller denn je. Denn:

Es sind wir Menschen, die darüber entscheiden müssen, woran Maschinen überhaupt arbeiten, wie die Ergebnisse zu interpretieren sind und sich neue Ideen entwickeln lassen. Maschinen fehlt etwas wesentliches, nämlich Intentionalität, sprich die Fähigkeit, sich bewusst auf etwas zu beziehen. Maschinen haben keinen eigenen Antrieb zu lernen, sich weiterzuentwickeln und Probleme zu lösen. Das menschliche Gehirn stellt uns mehr Potenzial zur Verfügung als wir umsetzen können. Daraus entstehen Bedürfnisse und daraus wiederum Absichten. Der Nährboden für Fantasie und Kreativität – oder noch besser Ko-Kreativität. Innovation ist keine Einzelleistung, sondern entsteht in der Zusammenarbeit vieler Beteiligter.

Entscheidend in der Zusammenarbeit – ob mit KI oder ohne – ist folgendes: Je herausfordernder die Aufgabe, desto wichtiger ist die Zusammenarbeit. Das ist erheblich für unsere Zukunft! Denn um die wirklich große Herausforderung der Menschheit, eine für alle nachhaltig lebenswerte Welt zu schaffen, bedarf es mehr Ko-Kreativität denn je.

Die Frage ist also nicht mehr ob, sondern wie zusammengearbeitet wird.

So machen sich Organisationen, Führungskräfte und Mitarbeiter fit für die kollaborative Zukunft

Das Gute ist: Menschen sind soziale Wesen. Zusammen zu wirken ist Teil ihrer DNA.

Aber: Unsere sozialen Wurzeln stecken noch immer in der Clan-Zugehörigkeit. Über lange Zeit stabile Strukturen, ein hohes Maß an Identität sowie Anführer und loyale Gefolgsleute. Und tatsächlich folgt in vielen Unternehmen die Organisation immer noch dem Hierarchieprinzip. Über Konkurrenzmechanismen wie individuelle Leistungszulagen wird versucht, Motivation zu erzeugen. Das ist toxisch.

Unternehmen müssen sich jetzt sehr gründlich damit auseinandersetzen, welche Form der Zusammenarbeit zu ihren Herausforderungen passt. Und dann Schritt für Schritt Kollaboration verhindernde Strukturen abbauen und fördernde aufbauen. Das kann in verschiedenen Bereichen unterschiedlich sein. Der Trend zeigt aber eindeutig auf:

  • so viel selbstbestimmte Kollaboration wie möglich und so wenig hierarchische Steuerung wie nötig.

Die neue Arbeitswelt stellt auch hohe Anforderungen an jeden Einzelnen.:

  • flexible, bedarfsorientierte Zusammenarbeit in auf Zeit angelegten interdisziplinären Teams.
  • häufig unter dem Druck ein akutes Problem schnell zu lösen.
  • keine Zeit für einen langen Teamentwicklungsprozess, fürs „Einruckeln“ und das Nach-und-nach-Kennenlernen.

Wertschätzung für andere Sicht- und Herangehensweisen, Fähigkeit, die Interessen möglichst vieler zu erfassen und unter einen Hut zu bekommen und Zusammenarbeit als Reise statt als Status zu betrachten – das alles beschleunigt den Anpassungsprozess.

Die Hauptaufgabe von Führungskräften und Teams ist es, für psychologische Sicherheit zu sorgen. Also dafür, dass jedes Teammitglied sich frei fühlt, Ideen und kritisches Feedback zu teilen, ohne befürchten zu müssen dafür bestraft oder bloßgestellt zu werden. In diesem Klima können wir lernen, mutig Neues auszuprobieren und schnell zu scheitern, um Erfahrungen zu sammeln und daraus gemeinsam neue und bessere Lösungen zu entwickeln.

Zusammenarbeit entwickelt sich ständig weiter

Im Zeitalter der Digitalisierung nimmt Zusammenarbeit immer wieder neue Formen an. Der Wechsel auf Remote hat durch Covid einen großen Schub bekommen. Wie sieht hybride Zusammenarbeit aus? Unternehmen und Gesellschaft ringen um Gender-Diversität sowie interkulturelle und interdisziplinäre Diversität. Doch während wir noch damit beschäftigt sind, diese aktuellen Evolutionsschritte zu verdauen, stehen die nächsten schon vor der Tür: die Integration von Neuro-Diverstität in unsere Workforce sowie von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) in unser Work-Together.